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18.11.08

Typografie-Tipps 5: Textvorbereitung

Nach der Lektüre unserer letzten Typografietipps mag mancher darauf kommen, dass er/sie/es den Satz eines Textes vielleicht doch lieber einem Profi überlässt. Erst mal: Gute Entscheidung! Wir müssen ja auch leben, unsere Kinder sind hungrig. Aber auch hier gibt es einige Dinge zu beachten, um den Arbeitsaufwand und damit die Fehleranfälligkeit für alle Beteiligten so gering wie möglich zu halten. Das betrifft insbesondere die Zulieferung von Texten und Bildern bzw. Layout-Vorlagen.

Powerpoint-Vorlagen

Powerpointfolien sind zwar anschaulich, bringen fürs Layout aber sehr wenig. Insbesondere dann, wenn die Texte noch dazu in Textrahmen eingebettet sind. Wir können die Texte nicht importieren, sondern muss jeden Textrahmen einzeln per Copy/Paste ins Indesign-Dokument einfügen. In Powerpoint eingebettete Bilder sind fürs Layout wertlos, sie wurden beim Einbetten für Powerpoint optimiert. Schneller und nützlicher sind (durchaus handgekritzelte) Skizzen der einzelnen Seiten Sinne von: Text hierher, Bilder hierher.

Texte

Alle Texte für ein Layout sollten gemeinsam in ein Word- oder TXT-Dokument, und zwar möglichst unformatiert. Das heißt: Bei Überschriften zum Beispiel nicht fette Schrift auswählen, sondern z.B. ### Ü1 ### dazuschreiben, damit wir wissen, was wie zu formatieren ist. Moderne Layoutprogramme können allerdings die Formatvorlagen von Word importieren und ihnen die angepassten Formatvorlagen des Layouts zuweisen. Man kann also auch die Überschrift 1 als «Überschrift1» formatieren, das aber möglichst konsequent. Der Normalfall ist immer noch, dass beim Import eines Textdokuments sämtliche Formatierungen wegfallen.

Der Text sollte einerseits korrekturgelesen sein, denn Korrekturen im fertigen Layout können die Arbeit verdoppeln, wenn es zum Beispiel um die händische Korrektur von Zeilenumbrüchen geht. Andererseits sollte der Text so «sauber» wie möglich sein, also: keine doppelten Leerzeichen, keine doppelten Zeilenschläge (Leerzeilen werden besser mit Abständen vor dem Absatzformat erzeugt, so kann man sie auch anpassen), keine Leerzeichen vor Satzzeichen, keine Textblöcke, keine Tabulatoren, keine Notizen oder nachverfolgten Änderungen. Einfach nur sauberer Text. Den können wir dann unter Umständen mit einem Mausklick automatisiert über die vorgefertigten Masterseiten fließen lassen. Wieder mal Deppenhacken gespart.

Bilder

Sämtliche Bilder sollten als JPG, TIFF oder PSD vorliegen, jeweils mit einer Auflösung von 300 DPI und im Farbmodus CMYK. Beides lässt sich in Photoshop eruieren bzw. einstellen. Bitte nicht wundern, wenn die riesigen 72-DPI-Bilder plötzlich so klein werden. Wir brauchen die hohe Auflösung für den Druck, und die Anzahl Pixel wird bei größerer Auflösung nicht höher. Vierfärbige Bilder sollten übrigens nie als GIF abgespeichert werden, da GIFs nur 256 Farben haben und damit der Großteil der Farbinformation verloren geht. Die Bilder kommen in einen eigenen Ordner, möglichst aussagekräftig benamst und nicht ins Word-Dokument eingebettet. Es gehört zu unseren Job, die Bilder noch etwas zu bearbeiten und fürs jeweilige Druckprodukt zu optimieren. Kleine JPGs aus dem Internet sind aber, abgesehen von den urheberrechtlichen Problemen, kaum je zu gebrauchen; da hilft aller Photoshop-Zauber nichts. Auch hier besser etwas Geld in die Hand nehmen, einen Fotografen engagieren oder in den mittlerweile sehr günstigen Stockfoto-Archiven wie iStockphoto.com hochauflösendes Material einkaufen.

Abgesehen von der möglicherweise aufwändigeren Bildrecherche sollten diese Tipps den Arbeitsaufwand beider seiten nicht erhöhen, sondern drastisch reduzieren. Es ist eine klare Arbeitsteilung: Inhalte und eventuell Skizzen von den Auftraggebern, Layout und Druckvorlagen vom Grafikbüro. Damit kümmern sich beide um das, was sie am besten können und bringen sich entsprechend ein. Eine generell brauchbare Definition guter Teamarbeit.

13.11.08

Typografie-Tipps 4: Flattersatz

In unserem Artikel über Blocksatz könnte der Eindruck entstanden sein, dass der linksbündige Flattersatz die völlig problemlose Alternative ist. Dem ist nicht ganz so. Auch der Flattersatz hat seine Tücken.

Eingesetzt werden kann der Flattersatz praktisch überall: im ein- und mehrspaltigen Satz, für Prosatexte, Lyrik, lange Texte, kurze Texte. Wie beim Blocksatz wird er schöner, wenn die Zeilen lang genug sind. Aber gerade bei kurzen Zeilen ist der Flattersatz absolut notwendig, da diese nur löchrigen Blocksatz hergeben. Abgesehen davon ist die Entscheidung zwischen Flattersatz und Blocksatz vor allem Geschmackssache. Manche mögen das rhythmische Flattern am rechten Rand und die regelmäßigen Wortabstände des Flattersatzes, andere haben lieber die rigiden Rechtecke des Blocksatzes.

Zu den Tücken. Die meisten Textverarbeitungs-Programme und selbst viele Layout-Programme beherrschen den Flattersatz nicht. Sie können eigentlich nur Rauhsatz. Das heißt: Sie füllen die Zeile so weit, bis das Textfenster zu Ende ist. Keine Zauberei, aber eben Rauhsatz, der manchmal wie ein schlecht gemachter Blocksatz aussieht.

Im eigentlichen Flattersatz wechseln sich idealerweise kurze und lange Zeilen ab, und es gibt eine mehr oder weniger breite Flatterzone zwischen der kürzesten und der längsten Zeile. Dieser Effekt lässt sich durch zwei Maßnahmen erreichen: Erstens wird die automatische Zeilentrennung abgedreht. Im Flattersatz trennt man händisch und schön, also nur dort, wo es inhaltlich einen Sinn ergibt. Wörter unter fünf Buchstaben sollte man zum Beispiel nicht trennen. Zweitens: Korrektur per Hand. Wenn man der Automatik vertraut, können unerwünschte Effekte eintreten, zum Beispiel ungewollter Formsatz. Es kann irritieren, wenn das, was eigentlich flattern sollte, plötzlich wie eine Kurve oder eine Nase aussieht. Hin und wieder ein erzwungener Zeilenwechsel bringt die notwendige Korrektur.

Man sieht schon: Flattersatz ist keine faule Lösung, sondern, wenn man es ordentlich macht, aufwändiger als Blocksatz. Jedenfalls braucht es dafür Schriftsetzer, die auch den Text lesen.

15.10.08

Typografie-Tipps 3: Blocksatz

Eine immer noch stark verbreitete Binsenweisheit ist: Linksbündiger Flattersatz ist besser als Blocksatz. Grundsätzlich. Das stimmt so nicht, ich kann mir aber denken, woher die Faustregel kommt: Beim Blocksatz kann man viel mehr falsch machen.

Wenn wir einfach in unserem Textverarbeitung- oder Satzprogramm auf den Blocksatz-Knopf klicken und uns nicht weiter darum kümmern, sind meistens Löcher die Folge. Löchriger Blocksatz entsteht, wenn die Wortabstände zu unregelmäßig werde, die Wörter in einzelnen Zeilen also zu weit auseinander stehen (wie im zweiten Absatz des Beispiels). Verhindern kann man das durch drei Maßnahmen. Erstens müssen wir die automatische Silbentrennung einschalten. Blocksatz ohne Trennung funktioniert nicht, weil uns sonst jedes längere Wort die Wortabstände auseinanderzerrt. Man sollte zwar nicht mehr als drei Trennungstriche untereinander stehen haben oder zu kurze Wörter (unter fünf Buchstaben) trennen, aber selbst das ist weniger störend als die Löcher im Textfluss.

Zweitens dürfen die Zeilen im Blocksatz nicht zu kurz sein. Unter 40 Anschlägen wird es einfach haarig, weil uns bei so wenig Platz einfach die Optionen ausgehen. Wir müssen dann meistens hässlich trennen und Löcher in Kauf nehmen, wie auf dem zweiten Bild zu sehen ist. Bei kurzen Zeilen ist Flattersatz also angebracht.

Die dritte Maßnahme macht nun etwas Arbeit: Wir dürfen uns nicht auf die Routinen der Satzprogramme verlassen, weil diese weder sehen noch lesen können. Unschöne Löcher und problematische Trennungen müssen also immer noch von Hand ausgeglichen werden (bitte mit bedingtem Trennstrich, nicht einfach ein Minus reinhauen – das bleibt dann am Schluss immer irgendwo mitten in der Zeile über).

Wenn wir diese drei Tipps befolgen, müssen wir auch nicht auf schmutzige Tricks zurückgreifen. Gemeint ist vor allem das unschöne Ausweiten der Buchstabenabstände, wie wir es aus der Bezirkszeitung kennen (siehe Absatz drei in den Bildern). Sperren ist eine Wortauszeichnung, dadurch irritieren komplett gesperrte Zeilen (oder gar einzelne Wörter, die plötzlich eine ganze Zeile füllen) im Text sehr. Manche Textverarbeitungen machen das automatisch, also dringend abdrehen!

Die Faustregeln für den Blocksatz sind also:

  • Blocksatz immer mit Silbentrennung
  • Zeilen nicht kürzer als 40 Anschläge
  • Trennungen manuell ausgleichen
  • Sperren hilft nicht

7.10.08

Typografie-Tipps 2: Zeilenlänge

Mindestens so oft, wie ich zu engen Zeilenabstand sehe, kommen mir zu lange Zeilen unter. Der Folder im Bild ist mir gestern zugesteckt worden. Ganz abgesehen von der entstellten Typografie des Logos, dem auspixelnden Bild, dem Logofriedhof am rechten Rand und der für Lesetexte absolut ungeeigneten Kapitälchenschrift «Bank Gothic» sind die Zeilen viel zu lang, gehen sie doch (über zwei Falzungen hinweg) quer über fast eine ganze A4-Seite. Der Effekt ist folgender: Wenn meine Augen am Ende einer Zeile angekommen sind, können sie den Anfang der nächsten kaum mehr finden. Der Weg ist einfach zu weit. Weil wir aus Büchern und Magazinen so lange Zeilen nicht gewohnt sind, ist die Versuchung groß, in der Mitte der Zeile gleich zur nächsten zu springen. Leserlichkeit ist anders.

Auch in einer wenigen extremen Ausprägung fallen lange Zeile negativ auf. Schuld ist mal wieder MS Word, das sehr sparsame Seitenränder und damit recht lange Zeilen voreingestellt hat. Wer sehr auf Leserlichkeit achtet, zum Beispiel weil er oder sie Bücher setzt, hält sich an folgende Faustregel: Eine Zeile sollte nicht mehr als ungefähr zehn Wörter bzw. rund 60 Anschläge haben. Darüber wird es mühsam, darunter geht es eher. Kurze Zeilen sind wir aus Magazinen und Zeitungen gewohnt; sie sind für diese Art von mehrspaltigen Rasterlayouts einfach notwendig. Hier ist wieder der Ausgleich des Zeilenabstands wichtig, denn sehr schmale Spalten müssen enger gesetzt werden, damit der Text noch kompakt wirkt. Natürlich dürfen in schmalen Spalten auch die Zeichen selbst nicht zu groß sein, sonst werden zusammengehörige Satzteile über zu viele Zeilen verteilt.

Wie also sind zu lange Zeilen zu verhindern? Eine Möglichkeit ist das Anpassen des Schriftgrads (der Schriftgröße) – die Zeile bleibt gleich, aber ihr Inhalt wird damit geringer. Das führt jedoch oft zu übertrieben großen Schriftgraden, die der Leserlichkeit nicht zwingend dienlich sind. Besser ist meistens, entweder auf mehrspaltigen Satz umzusteigen und/oder die Seitenränder massiv zu vergrößern. Entgegen der volkstümlichen Meinung dient dieser großzügigere Satzspiegel nicht allein dem Strecken von Seminararbeiten, sondern vor allem der Leserlichkeit. Weißraum und der mittelgraue Textblock werden so ausbalanciert, das Auge geführt, Ablenkung links und rechts des Blattes minimiert.

Die Faustregeln für Satzbreite bzw. Zeilenlänge lauten also:

  • Zeilen nicht länger als ca. 60 Anschläge setzen
  • Lange Textblöcke sind mehrspaltig oft übersichtlicher
  • Großzügige Seitenränder sorgen für Übersicht und angenehme Spaltenlänge

Damit verabschiede ich mich für den Rest der Woche. Heimaturlaub!

2.10.08

Typografie-Tipps 1: Zeilenabstand

Viele Satzfehler passieren bei den banalsten Dingen. Zum Beispiel beim Zeilenabstand, im Fachjargon auch Durchschuss genannt. Die aus MS Word bekannten Kategorien einfacher, 1,5-facher und doppelter Zeilenabstand sind etwas unpräzise. Doch selbst bei Word kann man genauer einstellen: Im Menü Format-Absatz einfach «genau» oder «mindestens» auswählen und dann eine Punktgröße einstellen. Die Punkte beziehen sich allerdings nicht eigentlich auf den Abstand, sondern auf die Zeilenhöhe. Stellt man bei einer 10-Punkt-Schrift also 13 Punkt Zeilenabstand ein, hat man tatsächlich 3 Punkt Durchschuss.

Einen «richtigen» Zeilenabstand zum quer Drüberbügeln gibt es nicht. Je nach Schriftgrad, Schriftart, Textmenge und Zeilenlänge ist mehr oder weniger davon erforderlich. Wenn ich mir Amateurtexte anschaue, ist da aber meistens zu wenig Durchschuss.

Wie entwickelt man nun ein Auge für den richtigen Zeilenabstand? Grundsätzlich ist der Zeilenabstand dafür da, dass die Augen beim Lesen auf der Zeile bleiben und nicht hoch oder runter hüpfen. Dafür sollte der optische Abstand zwischen den Zeilen mindestens so groß sein wie der Abstand zwischen den Wörter, eher etwas größer. So wie im ersten Absatz unseres Beispiels.

Ist der Durchschuss zu klein bzw. negativ, können die Unterlängen der oberen Zeile und die Oberlängen der unteren Zeile kollidieren, so wie das «p» und das «l» im zweiten Absatz. Das ist hässlich, stört den Lesefluss und verleitet zum Zeilenspringen.

Reichlich Zeilenabstand verbessert also die Leserlichkeit eines Textes und ist fast wichtiger als die Schriftgröße (Jargon: der Schriftgrad). Ein alter Designerschmäh ist jener: Kunde wünscht größere Schrift, Designer macht Schrift kleiner und Zeilenabstand größer, Kunde freut sich über die größere Schrift.

Größer ist natürlich nicht immer besser: Wenn der Zeilenabstand zu groß ist, fallen die Zeilen auseinander, es gibt keinen schönen Textblock mehr und es fällt schwer, vom Ende der einen zum Anfang der nächsten Zeile zu springen. So wie im untersten Beispiel.

Der richtige Zeilenabstand ist also immer relativ. Die Faustregeln dafür lauten:

  • Je kleiner die Schrift, desto größer der Zeilenabstand
  • Je länger die Zeile, desto größer der Zeilenabstand
  • Umgekehrt: Je kürzer die Zeile, desto kleiner der Zeilenabstand
  • Unterlängen und Oberlängen dürfen sich nicht berühren
  • Der Textblock soll einheitlich erscheinen, von der Ferne betrachtet weder schwarz noch weiß sein, sondern mittelgrau

Typografie-Tipps

Jeder kann heute Texte schreiben, setzen und drucken. Oder sagen wir es so: Die Werkzeuge dafür sind allen zugänglich. Das Problem dabei ist nur, dass man, um mal ein Bild zu bemühen, noch lange kein toller Koch ist, bloß weil man einen teuren Herd hat. Bei der Typografie ist die Sache noch tückischer, denn die meisten Augen sind nicht für dieses Handwerk geschärft. Und weil alles dank Computer scheinbar so leicht ist, machen wir es uns so. Leicht.

Nun war die Heimtypografie bisher auf kleine Auflagen beschränkt: Handzettel, Einladungen, Briefe, Handouts. Dank Digitaldruck und Print-on-Demand schaut die Sache heute anders aus. Jeder kann seinen Namen auf einen Buchdeckel drucken lassen, ohne große Investitionen, ohne Risiken; aber auch ohne Lektor und Setzer. Selbst bei klassischen Verlagen wird es immer üblicher, solche Arbeiten den Autoren zu überlassen und sich auf Produktion und Marketing zu konzentrieren. Das Resultat: Alles ist möglich, aber vieles läuft falsch. Dabei hat das System, in Verbindung mit den individuellen Vertriebsmöglichkeiten des Internets, ein großes Potenzial. Dieser neue Aufschwung des Selbstverlages kann dazu führen, dass auch Publikationen unters Volk kommen, die eben nur eine sehr kleine Gruppe interessieren.

In diesem Sinne starten wir hier jetzt eine kleine Reihe, die weniger für die geneigten Kollegen der Branche gedacht ist, sondern ganz bewusst für all jene, die ihre Inhalte veröffentlichen wollen, sich aber kein professionelles Layout leisten wollen oder können. Es geht um Typografie-Faustregeln für den Hausgebrauch. Im nächsten Post geht es los!

24.7.08

Font-Konferenz

Was wäre, wenn die bei Windows vorinstallierten Fonts ihre Namen etwas zu ernst nehmen würden? Ganz lustig, aber ich möchte schon festhalten, dass Comic Sans KEIN Superheld ist, sondern eindeutig ein Super-Schurke! Im übrigen fordere ich die Löschung von Comic Sans

via Stefano Picco

17.6.08

Typomanie

In diesem Video kommen Typomanie, kalligrafisches Talent und eine gute Portion Exhibitionismus zusammen. Sehr hübsch!

Und noch ein Beispiel, was man aus Schrift alles machen kann: Typographic Illustration.

via ilovetypography

25.2.08

Typofrüchte

Ein kleiner Vitaminschub für Typofreundinnen und -freunde am Wochenanfang, gestaltet von Sarah King.

via I Love Typography

25.10.07

Typokunst

Der Newsletter der Medienwerkstatt Wien hat mich auf den Künstler Jörg Piringer aufmerksam gemacht. Unter seinen Projekten sind auch anspruchsvolle Videos, die mit abstrakten Soundcollagen und animierter Typografie arbeiten. Dazu kommt «Visuelle Poesie» – Typo/Grafische Collagen irgendwo zwischen Konkreter Poesie und Postmoderne. Ein Blick ins Portfolio lohnt sich. Jörg Piringer wird gemeinsam mit Andres Ramirez Gaviria am kommenden Montag ein Werkstattgespräch zum Thema Schriftbilder bestreiten. Um 20 Uhr in der Medienwerkstatt Wien, Neubaugasse 40a, 1070 Wien

17.10.07

Spiekermann in Wien

Ein dringlicher Veranstaltungstipp für heute: Kein geringerer als Erik Spiekermann spricht heute abend um 19 Uhr im MQ Designforum zum Thema «Typomanie ist unheilbar, aber nicht tödlich.» Jede/r, der/die kann, sollte da hin, auch wenn es 8 Euro kostet. Warum?

1. Der Mann ist eine lebende Designlegende.
Man könnte manchmal wirklich glauben, dass Spiekermann in allem, was in deutschsprachigen Landen (und nicht nur dort) designmäßig passiert ist, die Finger drin hatte. Er hat unter anderem MetaDesign und Fontshop mitbegründet, werkelte u.a. am Corporate Design von Volkswagen und Audi, gestaltete weiters mit ITC Officina und FF Meta zwei Klassiker der modernen Typografie. Der Mann ist, nota bene, erst 60 Jahre alt.

2. Der Mann kann schreiben
Einen Vortrag habe ich noch nie erleben dürfen, aber alleine Spiekermanns Bücher sprechen dafür, dass er nicht nur ein gestalterisches, sondern auch ein rhetorisches Talent ist. Für mich ist er eine Art typografischer Alleinunterhalter der mit seinem Witz und seiner Begeisterung auch den letzten Comic-Sans-Benutzer von der mikrotypografischen Ästhetik einer Renaissance-Antiqua-Serife überzeugen kann.

3. Der Mann ist Typomane
Wer schon angesteckt ist, muss bei einer öffentlichen Zelebrierung dieser Krankheit definitiv mit dabei sein.

Aber wehe, ihr schnappt mir den letzten Platz weg!

24.4.07

Mercedes Typo

Seit Wochen schon freue ich mich besonders auf die Samstagsausgabe der Tageszeitung «Der Standard», da mich verlässlich auf der Titelseite eine neue Mercedes-Anzeige erwartet. Und das, obwohl ich in meinem Leben noch nie ein Auto besessen habe.

Ich freue mich, weil die Anzeigen so wunderbar quer in der Werbelandschaft liegen. Sie bestehen hauptsächlich oder gänzlich aus Typografie, verzichten darauf, das Produkt oder gar vor Glück strahlende Kunden abzubilden. Statt dessen erzählt jede Anzeige mit wenigen Worten eine kleine Geschichte, die immer mit dem Claim «Nur ein Mercedes ist ein Mercedes» endet. Es sind Geschichten über Innovationen, Produkteigenschaften, Automodelle oder Grundsätze des Unternehmen Mercedes Benz. Immer mit Humor und Überraschungseffekt, aber nie bemüht oder aufs Auge gedrückt. Möglicherweise zwischendurch zu abgehoben für die breite Masse, aber perfekt für Leser von Qualitätszeitungen und potenzielle Mercedes-Käufer.

Für mich ist dieser Teil der aktuellen Mercedes-Kampagne der Beweis dafür, dass es in der Werbung auf mehr ankommt, als nur große Geschütze aufzufahren. Und dass es immer dann, wenn eine bestimmte Form der Werbung, zum Beispiel die Textanzeige, tot gesagt wurde, Zeit für eine kräftige Wiederbelebung ist.

5.12.06

Typography School

David Dabner von der London College School of Printing meint: Computer machen schlampig. Er hat insofern recht, als uns der Computer vorgaukelt, dass jeder alles kann. Selbst für Layout gänzlich ungeeignete Programme wie Microsoft Word geben jedermann Werkzeuge in die Hand, um schnell einmal einen Geschäftsbericht, eine Zeitschrift oder ein Kundenformular zu basteln. Das Resultat tendiert dazu, unübersichtlich, unleserlich und unprofessionell zu werden. Das sieht auch der Laie, doch nur der gelernte Typograf wird sehen, wo das Problem liegt. Im Detail. Am fehlenden Wissen.

Dabners Vorschlag, sich mal an die Druckerpresse zu stellen und auch mal zwischendurch Papier und Bleistift in die Hand zu nehmen, ist sinnvoll. Man lernt so das Handwerkszeug der Typografie, das bis heute die Basis guten Layouts ist; egal, wie es letztlich umgesetzt wird. Schließlich arbeiten wir bis heute trotz Desktop-Publishing und Digitaldruck mit Schriften, Begriffen und ästhetischen Prinzipien aus dem 16. Jahrhundert. Die Werkzeuge haben sich verändert. Das Prinzip des Lesens nicht.

20.11.06

Gar nicht lustig

Wohl keine Schriftart der Welt – mit der möglichen Ausnahme von Arial – ist unter Designern so unbeliebt wie Comic Sans. Der Grund dafür ist paradoxerweise in ihrer Beliebtheit bei Nicht-Designern zu suchen. Seit Windows 95 schickt Microsoft die Schrift mit seinem System mit, und seither schmückt die Comic Sans alles, was irgendwie lustig, freundlich und verspielt sein soll. Von der Menükarte über den Firmenfolder bis hin zum Plakat.

Dabei schreibt selbst der Designer der Comic Sans fast entschuldigend auf seiner Website, dass diese Schrift nur für die Sprechblasen eines lustigen Hundes in einem Microsoft-Programm gezeichnet wurde. Für längere Texte oder gar Beschriftungen war sie nie gedacht. Doch dann spielte das Prinzip «Microsoft Office»: Was an Schriften installiert ist, wird auch eingesetzt. Die Resultate sind unter anderem bei Flickr zu bestaunen.

Das macht Designer wütend. So wütend, dass sie eine Aktion gestartet haben, die Comic Sans verbieten will: Ban Comic Sans. Eine lustige Aktion gegen die nicht lustige Schrift? Nun, die Abneigung der Profis gegen Comic Sans hat Gründe jenseits des Branchendünkels. Comic Sans hat keine durchgehende Grundlinie, dadurch scheinen die Buchstaben herumzuspringen und das Auge wird nicht geführt. Die Bögen und Schenkel der Buchstaben sind krakelig, die Buchstaben mal nach links, mal nach rechts geneigt. Auch das hemmt den Lesefluss ungemein. Durch die unruhige Führung wird auch die Erkennbarkeit auf Distanz minimiert. Kurz: Comic Sans ist schlicht und einfach keine Leseschrift. Dann doch lieber Times New Roman.