Es ist immer wieder schön, nicht nur luftige Designideen zu entwickeln, sondern letztendlich auch ein Ding in die Welt zu stellen. Auch wenn es nichts Anderes ist, als dass jemand nach unseren Anweisungen ein paar bunte Folien auf Autos klebt. Im Falle des Immobiliendienstleisters Real Care sind sie aber, so finde ich, doch sehr schnittig geworden.
27.2.08
25.2.08
Typofrüchte
Ein kleiner Vitaminschub für Typofreundinnen und -freunde am Wochenanfang, gestaltet von Sarah King.
via I Love Typography18.2.08
Lustiges Logo
Mein Freund Reinhard hat mir dieses Juwel zugespielt. In diesem Fall muss ich es dazu sagen: Es geht um nichts Schlüpfriges, sondern um Gartengestaltung. Was möchte uns also diese Tafel sagen? Zehn Theorien dazu:
1. Wir pflanzen genügend Büsche und Unterholz, um für Sichtschutz zu sorgen.
2. Wir sind lustige Kerle und können uns durchaus erlauben, Scherze über sexuelle Belästigung zu reißen; ein Schuft, der etwas Böses denkt.
3. Damit die Dame des Hauses auch etwas davon hat, gärtnern wir unter unserer Schürze grundsätzlich nackt.
4. Der aufgerissene Mantel steht für transparente Preisgestaltung.
5. Unsere Leute haben immer ein Lächeln für Sie übrig. Auf Anfrage auch ein schmutziges Grinsen.
6. Unser Schriftzug ist dermaßen haarsträubend gesetzt, dass wir ihn grundsätzlich mit einem Mantel überdecken.
7. Wozu ein Logo, wenn man auch eine lustige Illustration haben kann?
8. Sex sells Rollrasen
9. Gärtner tendieren zu Krähenfüßen.
10. Wozu Geld ausgeben, wenn mein 12-jähriger Neffe eh so gut zeichnen kann?
13.2.08
Achtung, Marke!
Sie kommt so unvermeidlich wie das Tauwetter: Die neue Markenartikelkampagne unter dem Motto «Achten Sie auf die Marke». So schaut das momentan aus. Markenartikel, die aus dem weißen Plakat fliegen, manchmal mit, manchmal ohne angepeiltes Zielpublikum, das ihnen nachhüpft. Dazu kommt die Website mit dem obligaten Gewinnspiel, das auch in Fernsehspots beworben wird. Vor allem wird aber flächendeckend plakatiert.
Laut Marktforschung haben 45 Prozent der befragten Personen aufgrund der letzten Kampagne mehr Markenartikel gekauft. Ein Zeichen dafür, dass der dicke Werbeeuro halt doch noch wirkt - zumindest in Kombination mit einer Marktforschung, die die «richtigen» Fragen stellt.
Für mich jedenfalls ist die Kampagne und alle ihre Vorgänger eher ein Symptom für den Niedergang des klassischen Markenartikels, flankiert vom Niedergang der klassischen Push-Werbung. Allein schon die Tatsache, dass die Aufforderung «Achten Sie auf die Marke» notwendig ist, zeigt, wie sehr der Markenartikel von seiner unehelichen Schwester, der Handelsmarke, unter Druck gesetzt wird. Das ist selbstverständlich auch die Motivation für die unglaublichen Budgets, die in diese Kampagne gesteckt werden. Eigentlich wäre es ja die primäre Eigenschaft einer gut eingeführten Marke, dass sie in den Köpfen des geneigten Konsumpublikums verankert ist – und daher auch beachtet wird. «Achten Sie auf die Marke» ist daher weniger ein selbstbewusster Slogan, als die manifestierte Befürchtung, dass es mit den beworbenen Marken nicht mehr weit her sein könnte.
Dazu kommt noch die Wortwahl der Kampagnensujets, die sich an den jeweiligen Werbelinien der Markenartikel orientiert. Da finden sich Headlines wie «Unerreichter Rindsgeschmack», »Unerreichte Zuckerseiten» oder «Unerreichtes Wascherlebnis». Ich habe zwei kleine Kinder und schon unzählige Waschgänge hinter mir, aber ganz ehrlich: jegliches Wascherlebnis ist mir bisher dabei abgegangen. Wahrscheinlich, weil ich eine Waschmittel-Handelsmarke benutze. In ihrer Geballtheit zeigt die Kampagne also auch, wie sehr sich die Werbesprache in der Marktenartikelreklame von allem entfernt hat, was nachvollziehbar oder auch nur in der normalen Sprache zu verwenden wäre.
Das bedeutet nicht, dass der Markenartikel tot wäre. Oder drücken wir es so aus: Der klassische Markenartikel ist tot, aber die Marke lebt. Damit meine ich echte Marken, die ihre Einzigartikeit nicht nur behaupten. Marken, die eine klare Botschaft haben, ein klares Versprechen abgeben und dieses dann auch halten. Marken, die mit ihrem Auftritt quer in der Landschaft liegen, gegen den Strom schwimmen und Trends lieber selbst setzen, als ihnen nachzurennen. Marken, die sich ihre eigenen Märkte schaffen, weltweit oder auch nur in Wien und Umgebung. Es gibt sie, und man muss nicht lange nach ihnen suchen, weil sie gut im Kopf verankert sind: Red Bull, iPod, Bugaboo oder auch die Wurst mit dem wohl schicksten Design der Welt, Neuburger. Die Liste könnte noch einiges länger sein: Wer Lust hat, möge Sie in den Kommentaren ergänzen!
Bild: Gewista29.1.08
Andruck
Da ich kürzlich wieder mal zum Andruck CMYK-geschwängerte Luft einatmen durfte, hier ein paar Tipps, worauf man dabei achten sollte.
Zunächst einmal für alle geneigten Leserinnen und Leser, die nicht so offset-firm sind: Der Andruck, auch Farbabgleich genannt, ist ein Termin, den man sich mit der beauftragten Offset-Druckerei ausmacht. Besonders dann, wenn es beim Endresultat auf die Farben ankommt – also fast immer. Die Idee dabei ist folgende: Trotz PDF, Farbmanagement, hoffentlich gut kalibrierten Profi-Bildschirmen und farbverbindlicher Proofs ist es nach wie vor schwer, das gedruckte Endresultat auf dem Originalpapier vorherzusagen. Gleichzeitig kann beim Einrichten einer Druckmaschine einiges schief gehen. Ganz nett, wenn man als Auftraggeber da einen kontrollierenden Blick drauf werfen kann. Bei der Gelegenheit kann man zwar kein Motiv mehr verändern (außer man hält die Maschine an und beginnt von vorne – das wird aber teuer), aber doch die Farbbalance des Druckprodukts beeinflußen.
Worauf sollte man also achten, wenn die einem die Druckbögen vorgelegt werden?
1. Passgenauigkeit
Da beim Offsetdruck vier Platten nacheinander auf den Bogen drucken, können sich kleine Verschiebungen ergeben. Wenn dem so ist, wirken Bilder unscharf, farbige Schrift erhält einen unschönen Schatten. Deshalb schaut man sich, meist mit einer Lupe (Fadenzähler) die so genannten Passerkreuze (siehe Bild) genau an. Liegen die Linien des Kreuzes übereinander, passen die Platten.
2. Zulaufen Besonders aufpassen sollte man auf negative Schrift, also weiße Buchstaben auf farbigem Grund. Wenn das Papier sich zu sehr mit Farbe vollsaugt, können sie zulaufen. Das heißt, der Rand der Buchstaben wird von der Farbe angenagt, sie werden dünner und weniger scharf. Die Leserlichkeit leidet. Das sollte man schon bei der Gestaltung beachten, beim Andruck kann möglicherweise ein Papierwechsel helfen.
3. Farbflächen Flächig einfärbig gedruckte Farbbereiche wie Balken oder Hintergründe sollten gleichmäßig sein. Die Gefahr besteht, dass sich bei zu hoher Luftfeuchtigkeit oder dem falschen Papier wolkenartige Muster bilden. Unschöne Geschichte.
4. Schmuckfarben Schmuckfarben von Pantone oder wem auch immer sollten ja immer gleich aussehen, dafür ist der Standard ja da. Zumindest theoretisch. Praktisch hat natürlich wieder der Bedruckstoff, also das Papier, viel Einfluss. Also: Pantonefächer daneben legen und den Direktvergleich machen. Etwas Farbtoleranz muss allerdings sein.
5. Farbbalance Das ist nun der wirklich haarige Teil, bei dem sich entscheidet, ob an der Maschine ein Profi steht. Trotz Farbmanagement und Standardisierung ergeben sich beim Druck oft Farbstiche oder unausgeglichene Farbtemperaturen. Ein Profi hat das schon ausgeglichen, bevor wir kommen. Aber Farbwahrnehmung ist auch individuell, und Farbbalance ist immer ein Kompromiss. Manchmal nehme ich also blaustichige Fotos in Kauf, damit das Logo in der richtigen Farbe erscheint, manchmal ist es umgekehrt. Ein guter Indikator für die Farbbalance sind Hauttöne. Menschen auf Fotos sollten nicht unbedingt wie frisch aus dem Solarium aussehen, genau so wenig ist aber ein Zombie-Teint erwünscht. Hier kann man mit ein bisschen Drehen an den Farbreglern beim Andruck noch viel erreichen.
6. Vergleich mit dem Proof Der Andruck wird immer mehr durch farbverbindliche Proofs, also sehr sorgfältig gemachte digitale Vordrucke, ersetzt. Der Idealfall ist aber beides: Gute, vom Auftraggeber abgesegnete Proofs und ein Direktvergleich des Druckbogens mit dem Proof beim Andruck.
18.1.08
Ohlala
Der Fontblog weiß von einem Logo-Redesign aus Österreich zu berichten: Aus sport1.at wird laola1.at. Ich werde mich hier mal outen: Ich interessiere mich nicht für Sport, geschweige denn Fußball, ich habe keine Ahnung davon, am ehesten bin ich damit noch auf der Playstation in Berührung gekommen. Das wird ein hartes Jahr für mich als Schweizer in Wien ...
Insofern bin ich wohl auch nicht die beste Person, um den Namens- und Logowechsel von sport1 zu laola1 nachzuvollziehen bzw. zu bewerten. Aber mal ehrlich, liebe Sportfreunde, ist das nicht ein bisschen sehr bunt und wuselig? In Bildschirmauflösung und kleiner Darstellung (siehe hier)ist das für mich jedenfalls nicht lesbar. Und was ist das bitte für ein Name und eine URL? Abgesehen davon, dass man das Teil nicht aussprechen (und daher nicht weitersagen) kann, wird die Ziffer «1» gerne mit dem kleinen «l» verwechselt – die beiden Zeichen sind bei manchen Fonts praktisch identisch. Also LAOLA1 oder LAOLAL? Halali, trallala, ohlala. Ich weiß nicht ...
10.1.08
Ergo Austria
Ich melde mich zurück aus dem Weihnachtsurlaub, und das direkt aus unserem neuen Büro – Fotos folgen demnächst. Noch ist alles etwas karg, die Einkaufsliste für IKEA lang, dennoch fühlen wir uns schon pudelwohl. Das neue Jahr kann kommen!
Zunächst aber noch ein kleiner Rausschmeißer fürs alte Jahr, in Form eines weiteren abgeschlossenen Projekts. Es handelt sich um den Relaunch des Bundesverbands der österreichischen Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten unter dem neuen Namen «Ergo Austria«.
Der Wunsch nach einem neuen Äußeren kam aus den Reihen der Mitglieder. Wir wollten die Ergotherapie etwas vom veralteten Bild der Basteltante im Keller, vom Handgestrickten, Alternativen befreien, den Auftritt frischer machen, Professionalität und fachliche Kompetenz signalisieren, ohne unterkühlt zu sein. Die Spirale haben wir aufgenommen, aber in einzelne Segmente aufgeteilt, die einerseits für die verschiedenen Fachgebiete der Ergotherapie stehen können, gemeinsam aber auch die langsamen, stetigen Schritte der Klientinnen und Klienten in der Ergotherapie symbolisieren.
Im Layout haben wir mit viel Weißraum und Symbolbildern mit Händen gearbeitet, die für das heilsame Aktivsein der Ergotherapie stehen. Im Anschluss ein paar Bilder der fertigen Berufsbild-Broschüre.
28.12.07
Umzug
Es hat ja schon kreisrote Tradition, ein neues Jahr in einem neuen Büro zu beginnen. Wir wollen die Tradition gleichzeitig hochhalten und beenden, indem wir Anfang Jänner 2008 endlich einen Standort beziehen, der zu hundert Prozent zu uns passt. Kein Home Office, keine Untermiete, keine Kompromisse mehr. Dafür Platz für uns und unsere Projekte. Damit nicht nur die Ideen blühen, ist auch ein Stück Garten dabei!
Also, ab 1.1.2008 gilt folgende Adresse:
kreisrot corporate design
Geusaugasse 47/1
1030 Wien
Die Festnetznummer bleibt, Faxnummer wird neu 01/253 30 33 2507. Für U-Bahn-Fahrer: 2 Minuten von der U3-Station Rochusgasse entfernt, Ausgang Hainburgerstraße.
Frohe Feiertage und einen rundum angenehmen Jahresbeginn!
18.12.07
Designer-Geschenke
Wir schreiben den 18. Dezember. Eindeutig zu spät für originelle Weihnachtsgeschenke. Für Bücher, CDs oder Krawatten wird's noch reichen. Aber hey, die nächste Chance kommt bestimmt, und dafür sollten wir gewappnet sein. Also hier zwei Tipps, die insbesondere bei Menschen gut ankommen werden, die ein Faible für Gestaltung haben.
In Stuttgart haben sich Sandra Kübler und Christine Voshage die Typolade ausgedacht. Das ist die Verbindung von zwei meiner größten Leidenschaften: Typografie und Schokolade. Statt Blei kommt also Schoko zum Einsatz, das Resultat wirkt jedoch wie frisch aus dem klassischen Bleiletter-Setzkasten. Wunderschön, individuell und wohlschmeckend! Die Botschaften sind wahlweise druckfertig (also seitenverkehrt) oder seitenrichtig zu haben. Buchdruck würden wir damit dennoch nicht empfehlen.
Von W2 Products in London kommt die simple, aber effektive Idee, die schnöden Papierschnipsel aus dem Pantonefächer durch formschönere und doppelt nützliche Kaffeehäferln zu ersetzen. Ein bisschen nerdy, aber schon auch sehr schick. Zum Farbabgleich in die Druckerei würde ich damit nicht marschieren, aber für einen Ersteindruck bei der nächsten Logo-Präsentation auf jeden Fall. Ich freu mich schon auf den ersten Auftraggeber, der sagt: «Ich hätte das Logo gerne in der Farbe der Tasse». Dann brauchen wir nur noch die Nummer ablesen.
6.12.07
Free Magenta
Ich verkünde regelmäßig in meinen Corporate-Design-Seminaren, dass ich sehr für mutige Farbentscheidungen bin. Wir brauchen nicht unbedingt und in jedem Fall ein dunkelblaues Logo. In diesem Zusammenhang zitiere ich gerne den Fall der Deutschen Telekom, die auf Vorschlag von Interbrand eine Farbe gewählt hat, die damals eher in den Drogeriegroßhandel gepasst hätte und den meisten Leuten eher hässlich erscheint: Magenta. Dank dem fetten Marketingeuro des Konzerns hat sich das geändert. Mittlerweile hat die Telekom sich sogar gewisse Markenrechte für diese Farbe erstritten – siehe diesen Artikel.
Und wo wir gerade beim Streiten sind: Dieser Fall einer farbbedingten Klage des Konzerns dürfte nicht der einzige sein.
Magenta ist eine der Grundfarben des Vierfarbdrucks und insofern seit seiner Erfindung in irgend einer Art und Weise präsent. Sie steckt in jeden Bürodrucker und wurde schon immer auch im Marketing für diverse Unternehmen und Marken eingesetzt. Eine Registrierung als Farbmarke, die an sich schon Seltenheitswert hat, scheint mir eine sehr heikle Angelegenheit zu sein. Es gibt einen Punkt, an dem die vertretbaren Interessen eines Markenartiklers enden. Nämlich jenen, wo das öffentliche Interesse beginnt.
Siehe auch: Free Magenta, Reclaim Magenta.
Bild: Jen_Mo@flickr