Ich wollte nur Bescheid geben: Nach einem Sommer voller Arbeit und Babyschaukeln mach ich mich doch noch mit Sack, Pack, Kind und Kegel in den Urlaub auf. Nur eine Woche und nur in die alte Heimat, aber besser als nix. Ich melde mich wieder, wenn ich zurück bin.
18.9.07
13.9.07
Crowdsourcing
Ach ja, die Modewörter des Web 2.0. «Crowdsourcing» ist eines davon. Früher nannte man das «Ideenwettbewerb». Doch dank Globalisierung, Elektronisierung und Internet nimmt das Ganze andere Dimensionen an. Ein bisschen so wie Kassettentauschen vs. Peer-to-Peer-Download.
Gleich zwei große deutsche Sites haben kürzlich Crowdsourcing-Wettbewerbe gestartet, weil sie auf der Suche nach einem neuen Logo waren. Die Social-Bookmark-Site Mr. Wong und das Blog Spreeblick. Die Dimensionen sind etwas unterschiedlich (400 Euro bei Spreeblick, insgesamt 12.000 Dollar für Mr. Wong), die Resultate ähnlich.
Spreeblick hat mitgeteilt, dass man sich trotz 50 plus Entwürfe nicht entscheiden konnte. Bei Mr. Wong ist die Entscheidung noch nicht gefallen, 127 Entwürfe von sagen wir mal unterschiedlicher Qualität werden die Sache nicht leicht machen. Schon jetzt kann man sagen, dass diese beiden Crowdsourcing-Experimente gescheitert sind.
Gründe dafür gibt es viele. Zum einen waren, wie fast immer, die Briefings nicht gerade vielsagend. Bei Mr. Wong lief es auf «wir brauchen ein neues Logo» hinaus. Wo und wie wird das Logo eingesetzt? Wer ist die Zielgruppe? Was will man aussagen? In welche ästethische Richtung soll es gehen? All das muss man sich selber denken. Bei Spreeblick gab's immerhin klarere Vorgaben, dafür kaum Budget. Die Möglichkeit, rückzufragen und jene Leute kennenzulernen, die nachher mit dem Logo arbeiten, gibt es natürlich nicht.
Die schiere Masse der Entwürfe ist das zweite Problem. Es wäre ja interessant, wirklich 100 Ideen für ein Logo zu haben, denn Kreativität heißt, viele Ideen zu sammeln und die besten herauszufiltern. Es hat sich nun aber niemand hingesetzt und selbst 100 Ideen gefunden. Im Gegenteil: Da die Chance zu gewinnen so gering ist, haben sich die meisten wohl nicht mehr als ein, zwei Stunden Zeit genommen, um ihren Eintrag fertigzustellen. Das Resultat: Wir haben eigentlich nur 100 erste Ideen und nie die 100. Idee. Aber genau die wäre wohl die beste gewesen. Es kommt noch dazu, dass viele Teilnehmer offensichtlich auch ihr erstes Logo gestaltet haben und jene Fehler begangen haben, die man nach dem 50. Projekt nicht mehr macht.
Es läuft also auf die Frage hinaus, ob ich lieber 200 Liebhaber oder einen Profi für mein Projekt arbeiten lasse. Ein finanzielles Risiko ist es allemal, egal, welchen Weg ich gehe. Denn auch ein Profi-CD-Projekt kann schief gehen, wenn Kunde und Grafikbüro einander nicht vor dem ersten Entwurf genau verstehen. Es gehört eben auch zum Job eines Profis, genau dafür zu sorgen.
Ideenwettbewerbe können enorm inspirieren, vor allem, wenn es nur um Ideen geht. Sobald auch eine Umsetzung, die technisches Wissen erfordert, gefragt ist, würde ich eher die Finger von «Crowdsourcing» lassen. Jeder Mensch ist kreativ, das stimmt und das gilt es zu nutzen. Aber nicht jeder Mensch ist ein Experte für jede Materie. Ich denke: Gerade in unserer Informationsgesellschaft gilt es, viel zu wissen und zu sehen, aber nur das zu tun, was man wirklich am besten kann.
6.9.07
Neue iPods
Die neuen iPods sind also aus dem Sack: Der jüngste Kandidat ist eine Art iPhone ohne Telefon, also mit Touchscreenbedienung, WiFi, Browser und den bekannten Officefunktionen wie Adressbuch und Kalender. Der iPod Video heißt jetzt iPod Classic.
Die erste Reaktion als Apple-User ist natürlich Begeisterung, das kommt schon reflexartig. Doch dieses Mal kamen mir kurz danach die Zweifel, wie schon zuletzt beim iPhone. Zweifel, die den Wert der Marke iPod betreffen.
Der iPod ist bestimmt die Marke und das Gadget des frühen 21. Jahrhunderts. Das ist auf den ersten Blick verwunderlich: Warum hat gerade eine klassische Hardware/Software-Firma wie Apple es geschafft, das neue Spitzenprodukt im Bereich mobile Musikabspielgeräte zu schaffen? MP3-Player gab es schon vorher, auch mit Festplatte. Das schöne Äussere allein kann es nicht gewesen sein, nicht bei den hohen Preisen. Nun, Apple hat sich auf das besonnen, was das Unternehmen am besten kann: userfreundliche, intuitive Interfaces und funktional durchgestaltete Geräte, die das tun, was ich von ihnen will, ohne dass ich viel nachdenken muss sowie perfekte Integration von Software, Hardware und Content (hier Musik). Sie sind nicht hingegangen und haben sich überlegt, welche tollen Features sie noch in ihr Gerät packen könnten, damit es sich von der Konkurrenz etwas abhebt. Sie haben sich hingesetzt und ein von Grund auf neues Ding gestaltet für Menschen, die ihre Musik (und zwar die ganze Musiksammlung) immer mit dabei haben wollen. Resultat: iPod.
Der iPod konnte nur etwas, das dafür perfekt. Der große Vorteil dabei: Jeder weiß, was ein iPod ist und wofür er gut ist. Selbst Leute, die noch nie einen Mac aus der Nähe gesehen haben. iPod ist schon ein Synonym für MP3-Player geworden und somit der legitime Nachfolger des Walkman.
Aber mit der vierten iPod-Generation bedrängte der Druck des Erfolges und die immer kürzer werdenden Produktzyklen des Marktes den iPod. Er musste nun auch Fotos anzeigen, dann Videos abspielen. Schließlich wurde er in ein Telefon gepackt und kommt jetzt ohne Telefon als Konvergenz-Gerät wieder. Der iPod ist jetzt also ein Surf-Adress-Kalender-Musik-Video-Gerät. Ein Problem dabei ist, dass ein Gerät nicht alles am besten können kann. Ein weiteres, dass so die Marke iPod verwässert wird. Wenn eine Marke den Beinamen «Classic» führen muss, ist das eigentlich ein Warnsignal. Man erinnere sich an Classic Coke vs. New Coke. Nicht alles, was neu ist und mehr kann, ist automatisch besser und begehrter. Gewisse Dinge dürfen auch einfach gut bleiben. Zum Beispiel mein iPod dritter Generation, still going strong.
5.9.07
Google-Logo
In unserer Zeit der Multi- und Crossmedialität wird immer klarer, dass auch das Logo beweglicher wird. Es muss nicht mehr immer das unveränderliche Zeichen sein, das rechts oben auf dem Briefpapier klebt. Es darf leben, spielen, spinnen. Bekannt ist das Beispiel der Expo 2000 in Hannover oder als österreichisches Gegenstück jenes von Graz 2003 Kulturhauptstadt Europas, das ich immer wieder gerne in meinen Corporate-Design-Kursen herzeige.
Am bekanntest sind aber wohl die Variationen des Google-Logos zu Feiertagen, historischen Ereignissen und Geburtstagen großer Menschen. Hinter den einfallsreichen Intepretationen des Logos steckt Dennis Hwang, seines Zeichens eigentlich International Webmaster bei Google. Was soll man sagen, Google zieht einfach kreative Köpfe an, siehe diesen Artikel in Brand Eins. Hier ist eine Übersicht über alle Logovarianten aus der Feder Hwangs.
29.8.07
Eurobrand
Ein Veranstaltungs-Hinweis: Das Eurobrand Forum 2007 findet am 19. und 20. September statt, und zwar unter dem Motto «Living Brands – Create Values». Der Schwerpunkt liegt auf dem Thema Marken in Europa in bezug auf Markenführung, Markenbewertung und Markenpsychologie. Am Vorabend der Konferenz wird die neue Eurobrand-Studie präsentiert, eine aktuelle Markenwertstudie, für die 3.000 Unternehmen in 24 Ländern analysiert wurden. Das dürfte sicher mit der spannendste Teil der Konferenz werden.
Die großen Keynotes sucht man vergeblich, an der Eurobrand wird ausschließlich in Panels diskutiert. Aushängeschild und Repräsentant der Marke Österreich (das Land, nicht die Zeitung) ist Kanzler Alfred Gusenbauer. Ein Markenstratege? Auch sonst scheint der Fokus eher auf hiesigen Marken und Interessen zu liegen, selbst wenn Experten aus Russland, Deutschland und der Schweiz anreisen. Von Markenseite sind Unternehmen wie Danone, Mercedes, Siemens, TUI oder Raiffeisen vertreten, also eher die alte Garde als die Innovatoren des Markenuniversums. Markengurus oder Markenmacher von der Kommunikationsseite sucht man bisher vergebens am Programm. Jemand mit der Ausstrahlung eines Al Ries hätte dem Forum gut getan. Lag vielleicht nicht drin im Budget. Andererseits, bei einer Registrationsgebühr von 750 Euro exkl. USt. … ?
27.8.07
Logo-Trends
Alle Jahre wieder kommt der Trendreport der Kollegen von Logolounge.com. Aus Tausenden gesammelten Logos des Jahres werden Trends heraus destilliert, die im vergangenen Jahr bestimmend waren. Denn auch das Logo-Design, so gerne wir zeitlos wären, ist durch Moden bestimmt. Die Kunst ist, zwischen einem Trend mit baldigem Ablaufdatum und relevanten kulturellen Strömungen zu unterscheiden. Hängt man dem ersten nach, wird der Kunde schon in wenigen Jahren ein Logo mit langem Bart haben. Gut fürs Geschäft, wenn man der Redesigner ist.
Insbesondere dann, wenn wir die Trendreports der letzten Jahre anschauen, werden einige Dinge klar. Erstens: Die alten Regeln gelten kaum mehr. Logos dürfen heute in CMYK gedruckt werden und mit allen Photoshop-Tricks spielen. Jene Technologien, die das bisher verboten haben, gehen langsam den Bach runter. Stempeln, Faxen, klassischer Siebdruck, all das wird durch elektronische Kommunikation in RGB und digitale Print-on-Demand-Technologien langsam aber sicher ersetzt.
Klar wird aber auch, dass es für jeden Trend auch einen Gegentrend gibt. Wenn also seit drei, vier Jahren die Logos immer dreidimensionaler, aufgeblasener und verschwommener werden, ist plötzlich wieder sehr viel Platz für klassische, klare, einfache Designs. Ich denke, wir sind schon jetzt in der Situation, dass klassische Logos mit einer guten Idee im Hintergrund mehr auffallen, als die tausendste Photoshop-Spiegel-Schatten-3D-Web-2.0-Geschichte. The more things change, the more they stay the same.
22.8.07
Linkhandel
Gestern abend ist die Meldung bekannt geworden: Google definiert den Tausch und den Handel von Links als Spam. Eine Nachricht, welche die nicht ganz so seriösen Anbieter von Suchmaschinen-Optimierung tüchtig ins Schwitzen bringen wird.
Worum geht es? Linkpopularität ist neben inhaltlicher Relevanz das wichtigste Kriterium für Google, wenn es darum geht, Websites nach Wichtigkeit zu reihen und mit dem so genannten PageRank zu bewerten. Linkpopularität heißt, eine Site wird besser gereiht, je mehr Links von anderen Sites auf sie verweisen, je besser diese Sites jeweils gereiht sind und je mehr thematisch relevanten Inhalt die verweisenden Websites enthalten. Ein Link von derstandard.at (PageRank 7) ist also mehr wert als einer vom Wirtschaftsblatt (PageRank 3). Zusätzlich ist ein Link von einem großen Designportal zum Beispiel für kreisrot.at wichtiger als der von einer privaten Website über Katzenbabys.
Es war und ist nun gängige Praxis, die Linkpopularität der eigenen Website über das Tauschen von Links zu erhöhen, im Geschäftsbereich auch mit dem Kauf von Links. Das wurde von Google nie gerne gesehen, aber toleriert. Jetzt soll sich das ändern. Der Suchmaschinen-Marktführer kündigt damit an, Websites auf die schwarze Liste zu setzen, die mit Linktausch und Linkhandel arbeiten.
Wie heiß das gegessen wird, kann jetzt noch niemand sagen. Nach welcher technischen Logik das laufen soll, verrät Google natürlich nicht. Zu erwarten ist, dass es jetzt den unzähligen Webarchiven, deren einziger Zweck das Pushen der eigenen Linkpopularität ist, an den Kragen geht. Noch mehr als bisher werden Site- und Serverfarmen, die keinen Content bieten, sondern nur die Linkpopularität zahlender Kunden erhöhen sollen, aus dem Index geworfen.
Natürlich geht man dabei auch das Risiko ein, dass «brave» Websites irgendwie von den Anti-Linktausch-Algorithmen erfasst und schwarzgelistet werden. Gegenseitige Verlinkung von Websites muss ja nichts Böses, sondern kann durchaus logisch und relevant sein. Insgesamt ist der Schritt von Google aber sicher zu begrüßen. Wenn alles so funktioniert wie angekündigt, werden echte, relevante Links und Seiten mit gutem Inhalt aufgewertet.
(Quelle: Horizont)21.8.07
Denken, zeichnen, machen
Okay, das Web ist voll von Millionen Seiten und fast ebenso vielen Blogs. Aber dass ich dasjenige des britischen CD- und Brandbüros Johnson Banks bis heute nicht im FeedReader hatte, ist schon erstaunlich. Fontblog half.
Besonders mag ich einen Beitrag von Michael Johnson über seine Arbeit mit Skizzenbüchern. Es ist einerseits spannend zu sehen, dass die besten Designer der Welt es nach wie vor schätzen, ihre Gedanken und Ideen auf Papier festzuhalten, bevor sie sich für erste Umsetzungsversuche an den Rechner setzen. Es hilft einfach dabei, den Kopf frei zu halten und sich nicht durch die Möglichkeiten einer bestimmten Software auf gewisse, meist gut ausgetretene Wege leiten zu lassen. Software ermöglicht viel, schränkt aber auch ein. Immer dann, wenn man das Werkzeug bestimmen lässt, wie die Arbeit aussieht. Andererseits ist es erstaunlich, wie nah gewisse schnelle Skizzen dem Endresultat sind, welchen Weg die Idee aber auch gelegentlich zurücklegt. Was beim aktuellen Eintrag des Blogs besonders gut herauskommt. Er zeigt das Finetuning eines Logos in 17 Stufen; wobei schon die erste Stufe ziemlich gut ausschaut.
13.8.07
Sommerloch
Das Sommerloch ist auch nicht mehr, was es einmal war. Früher musste ich meine Wahlheimat Österreich einfach dafür hasslieben, dass über die Monate Juli und August nichts, und zwar genau nichts los war. Pünktlich zum Beginn der Schulferien hörte das Telefon auf zu klingeln, E-Mails kamen nur noch im Tagesrhythmus, Kunden hoben ihr Handy nie ab. Die Druckereien waren auf Betriebsurlaub, Rechnungen wurden selbstverständlich auch keine bezahlt. Kurz: Du konntest deine Bude auch zusperren, weil eh nichts los war. Gut für die Entspannung, schlecht fürs Bankkonto
Im September wurde dafür alles nachgeholt, da die Unternehmerinnen und Unternehmer mit frischer Motivation aus der Sommerfrische zurück kamen und dann gleich gestern Resultate auf dem Tisch haben wollten.
Dieses Jahr ist plötzlich alles anders. Den Juli haben wir derart durchgehackelt, dass von Sommer nicht die Rede sein konnte. Anfragen trudelten mit schöner Regelmäßigkeit herein. Wir hatten Druckjobs, Kundentermine, Logopräsentationen, sogar einen Pitch. Erst Anfang August ließ das ganze etwas nach, und jetzt können wir ein bisschen durchatmen. Nicht so gut für die Entspannung, gut fürs Bankkonto.
Warum dieser Wandel? Vielleicht war ganz Österreich auf einem Zeitmanagement-Seminar und hat sich überlegt, dass man den Sommer eigentlich auch nützen könnte, um ein Projekt mal gemütlich und rechtzeitig anzugehen, um dann im Herbst weniger Stress zu haben. Vielleicht sind NOCH mehr Schweizer als jetzt schon nach Wien gezogen. Vielleicht spüren wir auch einfach die Auswirkungen der steigenden Konjunktur, die es Unternehmen erlaubt, wichtige, aber vermeintlich nie dringende Dinge wie Corporate Design anzugehen.